Donnerstag, Juni 05, 2008

Ein Brief

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es wirklich schaffe, mein Anliegen gleich so rüber zu bringen, dass es sinnvoll und ernst zu nehmend klingt, aber ich fand den Gedanken gerade recht interessant und irgendwie muss man seinen Unmut ja äußern!

Sehr geehrte Frau von der Leyen, (sollte man erwähnen, dass dies eine Lüge ist und ich sie für absolut inkompetent halte? )
wie Sie sicherlich wissen, hat der Bundestag vor kurzem ihren Gesetzentwurf zur Verschärfung des JSchG verabschiedet. Als erwachsener Mensch muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ihre Ideen und die Umsetzung völliger Schwachsinn sind. Dabei schlägt mir nicht nur die vage Formulierung auf den Magen, sondern auch insbesondere Ihre offensichtliche Ahnungslosigkeit von diesem Medium.

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich als jemand, der seit Jahren regelmäßig Computerspiele jeglicher Art konsumiert und der seine Seminarfacharbeit zum Thema Jugendschutz geschrieben hat, einen wesentlich besseren Ansatz zum Schutz der Jugend finden kann, als Sie. Jedoch stelle ich mir vorher erst einmal die Frage, vor was genau sie Jugendliche schützen wollen und wer dabei zu Ihrer Zielgruppe "Jugendlich" gehört? Ich verstehe nicht, wie sie es zulassen können, dass offensichtlich erwachsene Menschen von 18 Jahren, die Alkohol trinken, Zigaretten rauchen und Auto fahren dürfen der Umgang mit virtuellen Medien mit expliziten Darstellung jeglicher Art, verboten, bzw. in seiner Umsetzung bevormundet wird. Ist es nicht ein offensichtlicher Verstoß gegen die Freiheit eines jeden Staatsbürgers, wenn er daran gehindert wird Spiele, die in der ganzen Welt verkauft werden, nur über Umwege, sei es Versandhandel oder unter den Ladentheke, bekommen kann? Ist es nicht ein ungeheuerlicher Verstoß gegen die freie Marktwirtschaft, dass Hersteller gezwungen werden, ihre Spiele zu verändern, nur damit diese im deutschen Handel halbwegs erträgliche Verkaufszahlen erreichen können? Ist es nicht unglaublich lächerlich, dass Spiele, damit Erwachsene sie hier überhaupt öffentlich kaufen können, beschnitten werden? Ich finde schon, und es ist eine bodenlose Frechheit, dass hier, wo eigentlich schon der strengste und stärkste Jugendschutz in der ganzen Welt herrscht, Sie ihn immer noch verbessern wollen. Und ich unterstelle ihnen jetzt, dass dies nur geschieht, weil Sie sich dadurch Medienwirksam in Szene setzen und auf die Schulter klopfen können, ohne dabei auch nur eine vernünftige und logische Änderung hervorgebracht zu haben.

Ein, wenn nicht vielleicht sogar der wichtigste und gleichzeitig auch haarsträubendste, Punkt in Ihrem Entwurf, ist der der "gewaltbeherrschten" Inhalte. Unter diversen Kritikern wurde diese Formulierung schon mehrmals als absolut vage und schlecht formuliert tituliert, ich gehe sogar einen Schritt weiter und sage Ihnen, dass er völlig irrelevant bei der Beurteilung ist: Als erstes würde ich gerne einmal von Ihnen einen Titel genannt bekommen, in dem man aktiv Gewalt ausüben muss. Und auf eine Tastatur oder ein Gamepad drücken halte ich für relativ unbrutal. Damit sind, wenn überhaupt, nicht die Titel gewaltbeherrscht, sondern ihre Darstellung. Selbst wenn dieser Ansatz auch noch relativ vage ist, so ist trotzdem nahezu jedes Spiel, nach Ihrer Auffassung, gewaltbeherrtscht. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Rennspiel wie Mashed (USK Einstufung 12), in dem man mit nach Spielzeugautos aussehenden Minivehiklen über kleine Strecken fährt und während der Fahrt Waffen aufsammelt um seinen Gegner damit abzuschießen, oder um World of Warcraft handelt (ebenfalls USK 12) in dem man sich um im Level zu steigen auf kleines Getier oder andere Dinge stürzen und sie verprügeln muss. Zumindest sieht es immer für außenstehende danach aus, oder? Der Spieler aber, und wahrscheinlich nur der Spieler, weiß aber, dass es sich bei seinen Handlungen niemals um Gewalt im allgemeinen Sinne handelt, schließlich tut er offensichtlich niemand weh, nicht mal wenn er in CounterStrike (USK 18, stand 2002 kurz vor der Indizierung) jemand "in den Kopf schießt." Das Problem ist, dass Sie nicht zwischen darstellender Gewalt und dem, was im Kopf eines Menschen beim Spielen vorgeht unterscheiden können und dies gleich setzen. Das ist ein Problem, dass bei der Beurteilung von modernen Medieninhalten schnellstmöglich aus der Welt geschafft werden sollte.

Ein weiterer Punkt, und hier zitiere ich Sie, ist: "Wir wollen für Hersteller und Händler klare Regeln aufstellen, was geht und was nicht." Wer sind Sie, dass sie Menschen, freien, vernünftigen, selbständigen, meist noch in anderen Ländern lebenden Menschen, vorschreiben wollen, was sie zu programmieren haben und was nicht? Und wer sind Sie, dass sie freien, unabhängigen, vernunftbegabten Menschen in Deutschland vorschreiben wollen, was sie kaufen bzw. verkaufen und was nicht? Halten Sie die ganze Welt für verwahrloste Vollidioten, die nur ihre blutrünstigen Phantasien ausleben wollen? Allem anschein nach, haben Sie sich bisher noch nicht einmal die finanziellen Aspekte dieses Mediums angeschaut. Jedes Jahr werden Millarden umgesetzt, der Markt boomt, und das auf der ganzen Welt! Ich verstehe nicht, wie man einem modernen und zukunftsträchtigem Medium, in dem sogar meiner Meinung nach Bildungstechnisch so viel Potenzial steckt, so viele Steine in den Weg legen kann.

Nun möchte ich zu meinem Ansatz kommen, denn auch ich bin durchaus der Meinung, dass man Kinder vor expliziter Gewaltdarstellung und Spielen mit moralisch verwerflichen Inhalten schützen sollte. Ich würde mir schließlich mit meinem Kind auch kein Film angucken, der eine FSK 18 oder 16 Einstufung erhalten hat, obwohl man ja im Grunde nur da sitzt und zu guckt. Nur darf dies in keinem Fall auf Kosten der Industrie und der vollmundigen Bürger gehen! Doch genau dafür sorgen ihre Gesetze. Ich sehe das Problem weniger in der Darstellung der Gewalt, denn diese ist für den Spieler sowieso absolut nebensächlich, zumindest für Erwachsene, und hier spreche ich aus meiner eigenen Jugenderfahrung. Wie es funktioniert, sieht man doch in Groß Britannien, in denen Spiele von der BBFC eingestuft werden und sie nahezu nie (Manhunt bildet hier die große Ausnahme) geschnitten werden müssen um ein Sigel zu erhalten. Und ich habe ehrlich gesagt noch nie von Amokläufen auf der Insel gehört und erst recht nichts von der Schuld der Computerspiele, wenn so etwas doch mal vorkommen sollte. Wie dem auch sei, ich bin der Meinung, dass man in Deutschland entweder die Gesetze, so wie sie nach Erfurt beschlossen wurden, beibehält, die USK aber durch die PEGI Einstufungen ersetzt und sich somit auf einen europäischen Standard einigt, oder, wenn die USK als Institution beibehalten werden soll, man die Kriterien anders wählt, mit denen sie dafür sorgt, dass man als Einwohner Deutschlands bevormundet wird. Im Moment ist, wie bereits erwähnt, die Darstellung wohl einer der Hauptgründe für eine Einstufung. Dies ist aber bei der unglaublichen Komplexität, die Spiele heute besitzen, ein Ansatz, der so niemals mehr Hauptgrund für eine Einstufung sein darf. Das liegt daran, dass durch immer moderne Technik die Darstellung natürlich immer expliziter und detailierter wird und Sie können sich nicht vorstellen, was in Sachen Gewaltdarstellung heute sicherlich alles möglich wäre, und dennoch wird davon kein Gebrauch gemacht. Ich bin der Meinung, dass man, wenn überhaupt Spiele nur verbieten sollte, wenn sie offensichtlich allgemeingültigen Moralvorstellungen widersprechen oder Inhalte besitzen, die so oder so in Deutschland verboten sind. Nur um zwei Beispiele zu nennen: KZ Manager steht zurecht auf der Verbotsliste und kein normaler Mensch würde wohl ein Spiel kaufen, in dem man zum Beispiel eine Vergewaltigung spielen kann. Aber stadtdessen werden Programme wie Unreal Tournament, in dem der Wettstreit mit anderen Spielern eindeutig im Vordergrund steht, indiziert. Ihr Ansatz der größeren USK Symbole, zum Beispiel, bringt doch überhaupt nichts, wenn Eltern nicht wissen, was sie bedeuten. Meiner Meinung nach verschändeln diese sogar eher das Kunstwerk "Spiel" aber das ist ein anderes Thema. Wie wäre es, wenn Sie statt Geld in Verbotsverfahren und Debatten zu stecken, Flyer entwerfen, in denen das Medium erklärt und somit allgemein aufgeklärt wird? Ich stelle mir das so vor, dass man nicht nur die Symbole und ihre Bedeutung erklärt (im übrigen schafft das PEGI auf seiner Seite schon seit Jahren und gibt mit ihnen auch gleichzeitig Informationen über Inhalte dar http://www.pegi.info/de/ ) sondern vielleicht auch eine Beschreibung der einzelnen Genres und ihrer Entwicklung beilegt, denn meiner Meinung nach gehören Computerspiele zum heutigen Kulturgut dazu. Aufklärung statt Einschränkung!

Ich verstehe bisher nicht, was an dieser Umsetzung schwer sein sollte und wieso man einer rasant wachsenden Industrie wie dieser hier, die in anderen Ländern der Welt zwei Fernsehsender füllt, solche Steine in den Weg legen kann.

Mit freundlichen Grüßen


Gnaa, ich hab grad das Gefühl, dass ich noch irgendwas vergessen habe, aber es sind so schon über tausend Wörter und vielleicht sogar ein paar ganz Nette ansätze dabei, oder?

3 Kommentare:

Robby hat gesagt…

1. Aussagen, aber keine Argumente/"Beweise" (Milliardenumsätze usw.)
2. Sagst du, die Gewaltdarstellung ist nebensächlich/irrelevant, kritisierst allerdings deren Beschneidung/Einschränkung --> widersprüchlich?!
3. Zu persönlich angreifend/unsachlich
4. Unpassende Formulierungen (Kritik bei gleichzeitiger Verwendung des Wortes "verbessern" --> mindestens sprachlicher Widerspruch)

Ach ja - einige Vergleiche hinken. Oder sollte man - da es in einigen Ländern ja erlaubt ist - Menschen mit dem Tod bestrafen, Blutmord begehen etc.? Nur, weil etwas irgendwo anders/überall gemacht wird, ist es dadurch nicht automatisch richtig.

Dinge, dir mir auf den ersten Blick aufgefallen sind.

Max hat gesagt…

1. Ich weiß, man sollte aber auch eh nicht alles was ich schreibe ernst nehmen, kein Mensch verlangt von mir, Nachweise für meine Aussagen zu bringen, außer dir. -.-
2. Find ich nicht, genau weil sie für das Spiel nebensächlich ist, ist es bekloppt sie zu beschneiden, zumindest, wenn das Spiel für erwachsene übrig bleibt. Aber: Die Beschneidung geht auf kosten der Ästethik ( bei manchen Titeln ) und der Atmosphäre... Was ich meinte ist, dass kaum ein erwachsener Spieler sich länger als 2 minuten über die Gewaltdarstellung freut, sich aber verarscht vorkommt, wenn auf einmal Roboter statt Menschen vor einem stehen.
3. Wayne? Ist doch auch nie ernst gemeint gewesen...
4. siehe oben

Ach ja: Lass uns Äpfeln mit Birnen vergleichen!

Robby hat gesagt…

1. Dann schreib' mal irgend'ne Hausarbeit oder so ;)
2. Wenn's nebensächlich/egal ist, warum wird dann ein derartiges Augenmerk darauf gelegt?

Dein Vergleich am Ende hinkt übrigens. Mehr als Äpfel und Birnen.