Da ich im Moment gezwungen bin, auf private TV-Sender zu verzichten, begnüge ich mich nun schon seit einem Monat mit ARD, MDR und co. Was für mich im ersten Moment wie der Untergang der Welt war, stellt sich nun langsam aber sicher als Gewinn für mich dar. So sind mir Phoenix und Arte richtig ans Herz gewachsen, da auf dem einen fast immer interessante Dokumentationen und auf dem anderen fast immer kulturell wertvolle Sendungen zu sehen sind. So kam heute früh um 10 auf Arte eine Doku, ein Film, ein Bericht oder wie man es auch nennen möchte, über Shakespeare himself und anschließend explizit über die Figur der Julia. Beide waren sehr interessant und regten mich zum nachdenken an, vorallem zweiteres, und öffneten den Wunsch, mal wieder Romeo und Julia zu lesen.
Worum ging es? Nun Romeo und Julia stellen ja eigentlich das ideale Liebespaar dar. Sie durchleben innerhalb von kürzester Zeit all die Dinge, die Liebende wirklich ausmachen. Das erste Aufeinandertreffen, das erste Mal, die (geheime) Hochzeit und der Tod. Sie durchleben keinen Streit, keine Routine, keine Eifersucht sondern nur die pure Liebe in ihrem ganzen, schmerzhaft schönen Ausmaß. Das ist es wohl, was Menschen seit Jahrhunderten an ihnen fasziniert und was auch mich wiedermal zum nachdenken gebracht hat. Es spielt nämlich keine Rolle, wen man wie lange liebt, wie oft man sich sieht, wie gut man sich ergänzt, wie man sich kennen lernt, aus welchem Umfeld man kommt, oder was man beruflich macht. Nein, einzig es zählt, dass man sich liebt.[Edit: Wobei ich gerade auf spiegel.de gelesen habe, dass es sich natürlich leichter liebt, wenn man die gleichen Interessen und Ziele im Leben hat, weswegen, so der Artikel, man an der Uni *hust* besonders leichtes Spiel *hust* haben soll, seinen idealen Partner zu finden. *hust*] Leider liegt genau darin auch das unerklärliche der Liebe. Wir können es nicht beeinflussen, nicht steuern, wahrscheinlich nichtmal nachvollziehen, es passiert einfach. Ich, man, muss sich von dem Gedanken befreien, dass es die ideale Liebe gibt, die ohne Schmerz, die, die ein Leben hält oder die schon kommen wird, wenn man nur lange genug sucht, wobei ich das mit dem Suchen ja schon lange unterlassen habe. Nein, das Einzige was man tun kann und muss ist den Moment genießen, in dem man liebt, man kann versuchen ihn festzuhalten, ihn zu binden, aber spätestens beim Tod scheitert man man eh. Deswegen gillt es die Liebe solange im Gedächtnis zu behalten, sich an ihr zu ergötzen wie es nur irgend möglich ist. Ohne dabei dem Wahnsinn zu verfallen, denn Liebe ist verdammt komplex und nicht immer nimmt sie den gewünschten Ausgang. Nichtmal im Ideal der Liebe, bei Romeo und Julia.
€: Oder um Kettcar zu zitieren: Vergiss Romeo und Julia, [...] willst du wirklich tauschen? Am Ende war'n sie tot.
Sonntag, September 21, 2008
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