Mittwoch, Januar 28, 2009

Manche Dinge...

... kann ich einfach nicht besser ausdrücken, als es andere bereits für mich getan haben. Für mein American Short Stories Seminar muss ich gerade "The Reckoning" lesen, bzw. habe es schon gelesen. Dabei handelt das nicht gerade kurze Stück von einer Frau, Julia Westall, die nach einer einfachen, simplen und nachvollziehbaren Regel ihre Beziehungen führt. Wenn ihr oder ihrem Partner etwas nicht mehr passt, es langweilig geworden ist oder man jemand neues kennen gelernt hat, dann soll man sich ihrer Auffassung nach jederzeit und ohne Rücksicht von seinem Partner trennen dürfen. Das funktioniert bei ihr auch ziemlich gut, schließlich hat sie schon zwei Ehen hinter sich und steckt gerade zehn Jahre in ihrer aktuellen. Unglücklicherweise lernt ihr Mann nun eine neue Frau kennen und sie wird selber Opfer ihrer eigenen Regel. Julia wird verlassen und versteht die Welt nicht mehr, da sie absolut keinen Grund für das Handeln ihres Mannes sieht. Daraufhin beschließt sie ihren letzten Exmann aufzusuchen.

Schon lange nicht mehr hat mich eine Geschichte so sehr mitfühlen lassen, wie diese hier. Das liegt zum einen sicherlich an der Art, wie es geschrieben ist (free indirect speach, stream of consciousness) aber sicherlich auch daran, dass mir das Thema (leider) immer und immer wieder selber auf dem Herzen liegt. Am Schluss jedenfalls, und den möchte hier zitieren, kommt es zur Aussprache zwischen ihrem zweiten Ehemann, den sie wohl sehr plötzlich verlassen hat, und ihr:

"This is very unfortunate," he began. "But I should say the law-"
"The law?" she echoed ironically. "When he asks for his freedom?"
"You are not obliged to give it."
"You were not obliged to give me mine - but you did."
He made a protesting gesture.
"You saw that the law couldn't help you - didn't you?" she went on.
"That is what I see now. The law represents material rights - it can't go beyond. If we don't recognize an inner law ... the obligation that love creates ... being loved as well as loving... there is nothing to prevent our spreading ruin unhindered ... is there?" She raised her head plaintively, with the look of a bewildered child. "That is what I see now... what I wanted to tell you. He leaves me because he's tired ... but I was not tired; and I don't understand why he is. That's the dreadful part of it - the not understanding: I hadn't realized what it meant. But I've been thinking of it all day, and things have come back to me - things I hadn't noticed... when you and I..." She moved closer to him, and fixed her eyes on his with the glaze which tries to reach beyond words. "I see now that you didn't understand - did you?"
Their eyes met in a sudden shock of comprehension: a veil seemed to be lifted between them. Arment's lip trembled.
"No" he said, "I didn't understand."
She gave a little cry, almost of triumph. "I knew it! I knew it! You wondered - you tried to tell me - but no words came ... You saw your life falling in ruins ... the world slipping from you ... and you couldn't speak or move!"
She sank down on the chair against which she had been leaning. "Now I know - now I know," she repeated.
"I am very sorry for you," she heard Arment stammer.
She looked up quickly. "That's not what I came for. I don't want you to be sorry. I came to ask you to forgive me... for not understanding that you didn't understand... That's all I wanted to say." She rose with vague sense that the end had come, and put out a groping hand toward the door.
Arment stood motionless. She turned to him with a faint smile.
"You forgive me?"
"There is nothing to forgive-"
"Then you will shake hands for good-bye?" "She felt his hand in hers: it was neverless, reluctant.
"Good bye," she repeated. "I understand now."
[...]


Trotz dieses recht eindeutigen Handlungsverlauf darf ich jetzt noch die Frage beantworten, warum Julia ihre Einstellung gegenüber Hochzeit und Scheidung ändert. Ich könnte das meiner Meinung nach in einem Satz beantworten, darf es aber nicht. Und auch wenn dieser Eintrag jetzt schon unwohlsein in mir auslöst, muss ich ihn trotzdem mit folgenden Worten beenden:
I don't understand.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Diese Regel ist einfach. Solange man sie für sich einsetzt. Ist die Situation umgekehrt spürt man erst was dies verursachen kann. Klingt nach einem wirklich tollen Buch.

Es gibt durchaus Regeln im Leben, die man einhalten kann und sollte teilweise zumindest würde dies einen weiter bringen. Ich bin jedoch kein Fan von Regeln denn oft handel ich nach Bauchgefühl und meine innere Ungeduld hindert mich auch oft dran, gewissen Regeln zu befolgen....

Max hat gesagt…

Ist eine Kurzgeschichte, aber egal. ^^

Na ja, ich denke eigentlich, das gewisse Grundsätze relativ klar sein sollten, dazu gehört auch, dass man eine Beziehung beenden sollte, wenn man nicht mehr dahinter steht, wie angebracht wäre. Und das Gefühl vermittelt keine Regel, sondern wie du schon sagtest, einzig ein Bauchgefühl.