Heute ist Montag und das bedeutet ich kann mit einem gewissen Abstand über das letzte Wochenende reflektieren. Dieses war, wie die letzten passenderweise auch schon, sehr schön und durchaus ereignisreich.
Alles begann am Freitag früh um 7.30Uhr. Ich bemühte mich aus dem Bett, meine Sachen waren zum größten Teil schon gepackt, und bereitete mich auf die dreistündige ICE-Fahrt nach Dresden vor. Dort angekommen empfing mich Lauri überpünktlich und wir gingen zu ihr und bereiteten erst mal das am Vortag beschlossene Chili vor um es anschließend genüsslich zu verzehren. Danach ging es in die Dresdner Innenstadt, wo ich mir Auletta - Pöbel und Poesi und ein neues T-Shirt kaufte. Nachdem wir in Ruhe geabendbrotet hatten, machten wir uns zum eigentlichen Anlass meines Besuches auf: FURT am Elbufer. Das Konzert war, kurz gesagt, eines der besten, die ich die letzten Jahre besucht hatte. Das Racing Team und allen voran Farin, waren super aufgelegt, es gab wiedermal viel zu lachen, zu tanzen und mitzumachen. ("Ich drehe mich im Kreis - Laola", "ich hebe den linken Arm, denn der Rechte ist böse, jedes mal wenn das Wort Blitz fällt usw.) Ich habe mich sehr über die zahlreichen B-Seiten, wie Petze, Wo ist das Problem, Xenokratie und allen voran Ohne Worte, gefreut. Letzteres kannte ich nämlich nicht, weil ich mir ja nie Singles kaufe, und dieses nur auf der "Niemals - Single" zu finden ist. Dementsprechend musste ich es gleich in Bild und Ton festhalten:
Nun sind Lauri und ich so begeistert von dem Lied, dass wir es uns regelmäßig in Endlosschleife anhören. Irgendwie habe ich es nämlich dann doch noch als mp3 auffinden können. Wie dem auch sei, nach 2 1/2 langen und wunderschönen Stunden war auch dieses FURT Konzert zu Ende und wir traten den Heimweg an um uns noch bis ca. um Zwei von Jakob und Suhla mit MTV Actionserien namens Nitro Circus unterhalten zu lassen bis wir schließlich ziemlich knülle ins Bett fielen.
Am nächsten Morgen ging es noch ins 3D Kino zu Ice Age 3 und um 15:54 fuhr dann auch schon mein ICE wieder Richtung Gotha. Leider.
Zum Glück konnte ich die Fahrt, wie schon den Hinweg mit Lektüre gestalten. War es auf der Hinfahrt noch ein Bert Brecht - Baal, über das ich mich auf's Neue köstlich amüsieren konnte, gab mir Lauri für die Rückfahrt das von mir auch schon fast gekaufte Sarah Kuttner Buch Mängelexemplar mit. Grob gesagt geht es um Karo, die etwas verrückt ist, etwas anstrengend, wie sie selber sagt, und nun ein Jahr lang von ihren Erlebnissen mit Psychotherapeuten und Psychiatern, Freunden und Exfreunden, Freundinnen und Kumpels erzählt. Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, nicht, weil ich auch unter Panikattacken oder groben Angstzuständen leiden würde, aber weil ich Karo außerhalb ihrer psychischen Leiden gut verstehen kann, d.h. über ihre Witze lache und ihre Sorgen teilen kann. Sarah Kuttner schafft es einem einen Roman vorzusetzen, der sich so schnell liest, wie Karos Lebensstil ist, der dabei auch nie langweilig wird und genau zum richtigen Zeitpunkt wieder ein Ende findet. Der es einem erlaubt, in die Abläufe ihrer Psyche ( stream of consciousness ) zu blicken und dabei gleichzeitig über seine eigene zu reflektieren. Und genau an diesem Punkt steige ich hier ein: Im Roman wird erzählt, dass das Haus "Leben" auf vier Säulen steht: Familie, Beruf, Liebe und Freundschaft. Ich bin mir gerade nicht mehr sicher, ob nicht doch noch Wohnung mit hineinfällt und irgendwas anderes heraus, aber darum geht es jetzt auch gar nicht. Was ich sagen will ist, dass ich verwirrt bin, weil ich glaube, dass mein Haus sehr schräg steht. Der einzige Pfosten, der halbwegs gerade gewachsen und stabil ist, ist die Freundschaft. Ich habe so tolle Freunde, dass ich mich manchmal frage, wie weit Freundschaft reicht, aber auch welche, die ich nur zum Vergnügen unterhalte. Das klingt jetzt etwas abwertend, aber letztendlich sind Freunde doch auch zum Spass haben da, und das können einige halt besser, als Andere, die dafür zum Reden und Ausheulen oder einfach mal die Zeit totschlagen mehr geeignet sind. Dafür sind die Pfosten Liebe und Beruf unglaublich wackelig. Ich würde sogar sagen, dass Liebe ein verkrüppeltes Pflänzchen ist, was ab und zu mal grün aufleuchtet, sich aber nie zu einem stabilen Stamm entwicklen will. Hier muss die Freundschaft gewaltig unter die Arme greifen und große Teile des Gewichts übernehmen und ... na ja. Jedenfalls sieht es im Beruf auch beschissen aus; klar mein Studium macht mir Spass, es erfüllt mich auch, aber es hält das Lebenshaus eher alibimäßig hoch, ohne sich ein Bein auszureißen. Dafür steht meine Familie wie ein riesengroßer Baum mitten im Raum und erstickt dabei schon fast sämtliche möglichen Freiräume. Sie ist überpräsent und dagegen muss ich etwas tun, mal ordentlich Holzhacken. Das wiederum bringt mich auf den Punkt Wohnung. Ich lebe zwischen zwei Welten, zwischen meinem coolen Studentenzimmer, mit PC, 5.1 Anlage und tollen Postern an der Wand, und meinem alten Kinderzimmer, in dem zwar ein Teil der neuen Welt steht, nämlich mein Bett, was aber ansonsten viel zu zurückgeblieben ist, weil meine ganzen PC-Spiele-Verpackungen, kindliche Vorhänge und anderer Müll noch im Zimmer liegen und den Gesamteindruck trüben. Mein Haus wackelt nicht, aber ich drohe ab und zu mal abzurutschen und die Schrägen runterzugleiten. Meistens kralle ich mich dann doch noch irgendwo fest, aber vielleicht falle ich auch irgendwann, wie Karo, in ein tiefes Loch. Also kann ich nur hoffen, dass sich irgendwann doch noch ein Gleichgewicht einstellt und ich nicht mehr durch's Leben balancieren muss.
Irgendwie bin ich gerade eh etwas verwirrt. Verwirt ist ein tolles Wort, und eigtl. fehlen die ja gerade. Nun muss ich lernen.
Montag, Juli 13, 2009
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3 Kommentare:
Mich hat das (Hör-)Buch auch ganz schön aufgewühlt. Hoffen wir mal, dass es nicht soweit kommt, dass wir in ein tiefes Loch fallen.
Wer hat das Hörbuch denn gelesen? Zumal ich bei mir auch diese unerklärliche Angst feststelle, und das macht auch wieder Angst. Aber eigentlich geht es mir ja gut. =)
Sarah Kuttner persönlich. Kann es sehr empfehlen. Mag ihre Stimme.
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