Dienstag, Januar 12, 2010

Willkommen 2010!

Hallo und herzlich Willkommen du neues Jahr! Ja, sogar du neues Jahrzehnt muss man ja sagen. Ich weiß, ich habe meinen Blog die letzten zwei Monate sträflich vernachlässigt und es tut mir auch leid. Andererseits habe ich aber auch entweder so viel mit Uni zu tun oder einfach nicht die Muse mich hier auszudrücken gehabt. Eigentlich ist das schade, denn ich hatte durchaus interessante Gedanken. Was benutzt man zum Beispiel, wenn einem Zahnseide in den Zähnen hängt? Wann werde ich es endlich schaffen, mich um meinen Praktikumsplatz zu kümmern? Und werde ich es diesen Winter doch noch schaffe, einmal auf Skiern zu stehen?

Wie dem auch sei, ich persönlich jedenfalls bin sehr gut ins neue Jahr(zehnt) hereingerutscht und habe mit meiner Freundin und Freunden von ihr am Neuruppinersee gefeiert. Außerdem war Weihnachten erfolgreich und niemand ist an meinem Essen gestorben. Zudem war ich bei Clueso am 26.12. in der Messehalle und am nächsten Tag beim Weihnachtsball. Vom darauffolggenden Tag will ich gar nichts mehr hören!

Abgesehen davon war ich auch für mein kreatives Schreiben Seminar nicht untätig und um dem ganzen hier etwas Fülle zu verleihen stelle ich jetzt meine letzten beiden Texte hier rein.
Zwei ganze Sommer
Nur noch ein paar Kisten dann waren alle Sachen aus dem LKW geladen. Der Rest stapelte sich bereits im Flur, so dass man kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Bei der Menge könnte man wirklich ins Grübeln kommen, wie um alles in der Welt das alles in den Kleiderschrank und die Regale passen soll.
„Nun mach mir wenigsten mal die Tür auf, Micha!“
„Ja, ja, ich such die Nägel, die müssen doch hier irgendwo sein…“
Die Wohnung ist zwar nicht groß, aber wenigstens in einem schönen Altbau im zweiten Stock. Durch den langen Flur kommt man bequem in alle Zimmer. Gleich gegenüber der Haustür ist das kleine Bad, links daneben noch eine Abstellkammer und rechts die Küche mit ihrem Gasherd, dem kleinen schmalen Fenster und der dreckigen Ecke für den neuen Kühlschrank. Der Vormieter kam anscheinend nicht auf die Idee mal hinter der alten Kiste sauber zu machen. Trotzdem gefiel Micha die neue Wohnung von Anfang an. Das Viertel ist ruhig und der Weg zur Uni lässt sich bequem mit dem Rad in zehn Minuten erledigen. Außerdem gibt es zwei Straßen weiter einen Rewe und bis in die Innenstadt fährt der Bus. Linie 10, das hat er sich gleich herausgesucht nach der ersten Besichtigung. Die Frau von der Wohnungsgesellschaft war nett, hatte aber auch einige Schwachstellen der Wohnung zu kaschieren. Nicht nur, dass der Bodenbelag im Flur verdammt abgenutzt war, auch die Brandflecken auf dem blass-roten Teppich und die kaputte Tapete im Schlaf/Wohn und Esszimmer (Ja, die Wohnung war so klein, dass man hier alles auf einmal machen konnte, ja musste!) machte keinen guten Eindruck. Außerdem waren die Fenster alles andere als Dicht, aber zum Glück nicht zur Straße sondern Richtung Hinterhof, was zumindest den Lärm erträglich machte. Und jetzt, wo fast alles ausgeladen ist, ist die Wohnung sowieso kaum noch wiederzuerkennen. Der alte Teppich wurde komplett wie er war rausgerissen und durch Parkett und einen weißen, viereckigen Belag darauf ersetzt. Die Dielen im Flur abgeschliffen und an die inzwischen wieder weiße Tapete kommen bald zahlreiche Poster. Vorzugsweise mit Bier und Fußball, so richtig studentenmäßig eben. Nur der Linoleumboden in der Küche blieb. Der ist nämlich pflegeleicht und ein neuer wäre auch viel zu teuer gewesen.
Während Papa sich durch die Tür quetscht steht Mama schon mit dem Staubsauger in der Küche - obwohl da überhaupt kein Dreck ist. Micha schlägt derweil einen Nagel in die Wand im Flur. Da kommt dann das große Bild dran, was er von der Oma letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Das mit dem kleinen Schiff, der Südseeinsel und dem Sonnenuntergang, was bisher im Keller lag und verstaubte, weil im alten Haus kein Platz war. Oder vielleicht auch, weil Mama nicht wollte, dass dieser Kitsch in ihrem sonst so sterilem Haus auf gehangen wird. Bei ihr muss immer alles sauber sein, glänzen und ja keine Fettfinger auf der Glasplatte. Eigentlich ist er wirklich froh, endlich von daheim ausgezogen zu sein und die 440km verhindern auch Spontanbesuche. Natürlich wird Mama jeden Abend anrufen und sich versichern, dass es ihrem kleinen Jungen auch wirklich gut geht, aber das gibt sich sicherlich mit der Zeit. Und mit 19 darf man auch auf eigenen Füßen stehen.
„Wo ist denn die Kiste mit den T-Shirts?“ fragt Micha in die Küche.
„Na gleich hinter der blauen!“
„Nee, da hab ich grad erst nach gesehen.“
„Dann frag deinen Vater, ich hab‘ nur die mit deinen Hosen und deinen PC- Sachen hoch getragen.“
Genau, und sonst alles sauber gemacht, was nicht bei drei auf den Bäumen war.
„Ah, ich hab sie! Dann fang ich schon mal an den Schrank aufzufüllen, oder hast du da noch nicht drin geputzt?“
„Doch, doch, aber denke daran, T-Shirts in die Mitte, Hosen ganz oben und Pullover kommen nach unten.“
„Ja, ja.“
Als könnte er in der eigenen Wohnung nicht selber bestimmen, wie er seine Klamotten anordnet.
„Geh mal zur Seite! Ich bohr dir da noch ein Loch für die Fernseherhalterung rein.“
Papa drängelt sich durch Micha und die Kisten und setzt den Bohrer an. Das Geräusch wenn Metall auf Backstein trifft, schrill und laut, wie ein Düsenjet übertönt sogar den Staubsauger in der Küche. Micha würde es nicht wundern, wenn sich gleich die Nachbarn über die Ruhestörung beschweren. Es ist schließlich schon um 8. Um 8, kaum zu glauben, dass alles heute so lange gedauert hat. Wenigstens steht das Bett schon. Wenn er doch nur noch wüsste wo die Bettbezüge drin waren.
„Mama! MAMA! Wo ist denn das Bettzeug?“
Abrupt kehrt wieder Ruhe ein. Ein Pfeifen durchdringt Michas Ohr.
„WAA..s?“
Mama beugt sich aus der Küchentür.
„Oh mein Gott! Harald! Hättest du nicht warten können, bis ich mit saugen in der Küche fertig bin? Guck dir doch mal diese Sauerei an!“
Mama schleift den Staubsauger hinter sich her, wie einen Sklaven an der kurzen Leine, drückt auf den ON-Knopf und saugt wie verrückt vom Loch nach unten die Tapete und dann den Boden und anschließend den Teppich ab.
„Mama, das Bettzeug, ich würde das gleich gerne machen.“
„Ach, warte doch bis der Rest hier raus ist, das Bett läuft dir doch nicht weg!“
Na gut, denkt er sich, was gibt’s noch zu tun? Ach ja, das Bad könnte man schon einräumen, zumindest das Nötigste. Zahnbürste und Duschzeug. Die Fliesen im Bad mussten zum Glück nicht neu gemacht werden und auch die Wanne war in einem guten Zustand. Nur einen neuen Vorhang sollte Micha noch kaufen. Zumindest hat er keine Lust, nach jeder Wäsche das Bad aufzuwischen. Die CDs kann er ja morgen noch einräumen.
Die erste Nacht im neuen Zuhause verlief ruhig. Nachdem er mit seinem Vater noch ein Bier zum Abschluss getrunken hatte, fuhren seine Eltern wieder nach Hause. Du weißt ja, was du sonst noch einzuräumen hast, meinte seine Mama noch zum Abschied und schon verschwanden sie durch Tür, stiegen ins Auto und ließen Micha das erste Mal allein. Jetzt wird erst mal gefrühstückt, die Aufbackbrötchen sind gleich fertig und die Halbfettmargarine sowie der Brotaufstrich stehen schon auf dem Tisch. Zwar hat er nur das billige Besteck von Tschibo, dass ihm seine Mama überlassen hat, aber als Student, so denkt er, sollte man seine Ansprüche wohl sowieso nicht zu hoch stecken. Jetzt kommt erstmal die Feinarbeit. Die CDs werden stapelweise in die Wandregale gehievt, daneben kommen die paar DVDs und in den Schreibtisch die wichtigen Unterlagen. Das Abizeugnis zum Beispiel. Micha erinnert sich noch genau an die feierliche Übergabe in der Aula. Es war ein warmer Tag im Juli und weil die Aula unter dem Dach und nicht klimatisiert ist, schwitzten alle in ihren Anzügen und feierlichen Kleidern. Micha saß in der ersten Reihe, was ihm ziemlich peinlich war, genau zwischen seiner besten Freundin und seinem besten Freund. Anna und Erik. Die Rede der Schülersprecher war richtig mies, dieses übliche bla, bla. Für uns alle beginnt jetzt eine neue Zeit, unsere Schule hat uns in den letzten Jahren intensiv darauf vorbereitet und trotz, dass nicht immer alles so verlief, wie sich das einzelne Lehrer und Schüler gewünscht haben, wollen wir doch danke sagen. Danke an unseren Direktor, an die zahlreichen Sekretärinnen, an die nette Frau von der Schulkantine, die uns regelmäßig mit nahrhaften und nicht immer leckerem Essen versorgt hat, an den Oberstufenleiter, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand, an die vielen Lehrer, die uns nicht nur die wichtigen Dinge für unser Abitur beigebracht sondern uns auch menschlich geprägt und beeinflusst haben, so dass wir einige heute vielleicht sogar als Freunde bezeichnen. Es wollte gar kein Ende nehmen, und dann kam die Rede des Direktors. Wieder ein Jahrgang, inzwischen mein 25. an dieser Schule und mein 17. als Direktor dieser ehrenwerten Einrichtung. Viel ist passiert in den letzten Jahren, Bildungsreformen, und viele gesellschaftliche Ereignisse formten aus ihnen ein Bild, auf dass ich und alle meine Kollegen stolz sind. Vielleicht dürfen wir ja einige von ihnen bald wiedersehen und als neue Kollegen begrüßen. Nein, Lehrer wollte Micha zum Glück nie werden. Danach sprach noch der Oberstufenleiter und die Elternvertretung ein paar Worte. Anschließend wurden die größten Streber für ihre vorzüglichen 1,0er Abis ausgezeichnet und die Sonderpreisträger für Deutsch, Englisch, Französisch, Biologie, und Chemie. Gerade der Französischpreis sorgte für leichte Lacher unter den Anwesenden, wo der Preisträger doch dafür bekannt war, öfter mal krank zu sein. Danach fing man an, die Leute stammkursweise aufzurufen. Michas war als drittes an der Reihe. Einen kleinen, hässlichen Strauß Blumen, ein sinnloses Buch und das wohlverdiente Abizeugnis wurden vom Direktor, dem Oberstufenleiter und ein paar Kindern aus der fünften Klasse übergeben und dann war die Schulzeit vorbei.
Aber trotzdem denkt er gerne an die Oberstufe zurück. Am Anfang war alles etwas anders, das Kurssystem brachte neue Leute in sein Leben, zumal er mit seiner alten Klasse nie ganz warm geworden war. Außerdem musste man jetzt nach jeder Stunde den Raum wechseln und seine Kurse so wählen, dass ein möglichst gutes Abitur am Schluss zu Buche steht. Micha entschied sich für Deutsch/Englisch. Das war vielleicht nicht gerade eine Wahl mit hohem Anspruch aber das lag ihm wenigstens. Außerdem musste er seine Sportkurse pro Halbjahr schon jetzt bestimmen und darauf achten, zwei Mannschaftssportarten und zwei für Solisten auszuwählen. Zum Glück entschied sich Erik ebenfalls für Deutsch und Englisch und kam sogar mit ihm in einen Stammkurs. Außerdem hatte er noch Handball mit ihm zusammen, so war das erste Halbjahr schon gerettet. Die erste Stunde im neuen Stammkurs fühlte sich noch merkwürdig an. Natürlich kannte man alle vom Sehen aber im Prinzip hatten die früheren Klassen bis auf einige Klassenfahrten nach Prag oder London selten etwas miteinander zu tun. Zumindest der Großteil seiner Klasse schottete sich immer vom Rest ab, wohin gegen Micha, Erik und Larry, der eigentlich Lars heißt, wenigstens noch ab und zu mit den anderen etwas unternommen haben. Er wird nie vergessen, wie Anna den Raum betrat. Ihr Aussehen, oder ihr Dekolleté, jedenfalls der ganze Anblick, vom Scheitel ihrer dunkelbraunen Haare bis hin zu den kleinen, niedlichen kurzen Beine, ließen ihn schlagartig nicht mehr los. Und das für eine sehr lange Zeit. […]

Und:

Der Abgrund
Dreißig Meter Häuserschlucht liegen unter mir. Das gegenüberliegende Dach, schätze ich, ist drei Meter entfernt und zwei Meter unter meinen Füßen. Sie kommen. Ich höre ihre Schritte, ihre Schreie, ihre Schüsse. Die Kugeln fliegen nur wenige Zentimeter an mir vorbei. Ich gehe zwei Schritte zurück um Anlauf zu nehmen, gehe leicht in die Knie und drücke mich mit aller Kraft vom Boden ab. Mein Atem wird schneller, ich hole das Letzte aus meinen Beinen heraus, erwische gerade noch die Kante und springe mit voller Wucht ab. Der Flug scheint eine Ewigkeit zu dauern. Mit flüchtigem Blick sehe ich den Straßenverkehr unter mir. Er scheint nie still zu stehen. Gelbe Taxis, schwarze Limousinen, Ameisenmenschen und bunte Ampeln, immer in Bewegung, immer bemüht zügig von einem Punkt zum anderen zu kommen. Dabei sind sie doch so langsam. Kurz vor der Landung setze ich zur Rolle an um die Energie abzufangen. Wobei wohl so viel Adrenalin durch meine Adern pumpt, dass sich jeder Schmerz an meinem Körper von alleine betäubt. Mit den Füßen voraus schlitter ich unter den Lüftungsrohren entlang, drehe mich kurz um und sehe rückwärts laufend nach meinen Verfolgern. Die Männer in ihren schweren, schwarzen Uniformen können mir nicht folgen. Sie stehen nur da, ihre großkalibrigen Waffen im Anschlag, wie schwarze Schatten an einer Wand, unmenschlich, nur Umrisse ohne Hintergrund, ohne Seele. Sie würden den Sprung niemals schaffen, dafür sind sie viel zu kräftig. Sie würden einfach in die Tiefe stürzen, ohne den Hauch einer Chance die andere Seite zu erreichen. Aber sie werden nicht aufgeben, ich muss weiter rennen. Von Hinten höre ich schon einen Helikopter anfliegen; die Propeller schlagen immer härter durch die Luft. Über ein paar alte, knarzende Planken renne ich weiter zum gegenüberliegenden Ende des Daches. Mit einem beherzten Sprung erklimme ich den Aufbau des Treppenaufgangs, rutsche die Schräge herunter und springe kurz vor dem nächsten Abgrund ab. Mit rudernden Armen fliege ich durch die Luft. Frei wie ein Vogel. Nur mit Mühe erreiche ich die gegenüberliegende Dachrinne und kralle mich mit den Armen an ihr fest. Ich rutsche ein paar Meter nach unten und kletter hinüber auf die Feuertreppe. Während ich die klapprigen und scheppernden Stufen nach unten renne, höre ich wie der Helikopter über meinem Kopf hinweg fliegt. Den letzten Stock spare ich mir und springe elegant über das Geländer in einen Müllcontainer. Was für ein widerlicher Gestank, aber die Hauptsache ist, dass sie mich aus den Augen verloren haben. Nach dem ich mich aufgerappelt habe, steige ich aus dem Container und verschwinde in der Menschenmasse. Fürs Erste zumindest. Bald werde ich wieder über die Dächer springen und sie werden mich wieder nicht kriegen!


Sonst so? Mir fällt nur das gute Hurricanelineup und dass ich bereits meine Highfieldkarte habe, ein. Hoffentlich schaffe ich es, in den nächsten Wochen wieder häufiger meine Gedanken zu Papier zu bringen. Bis dahin jedenfalls werde ich möglichst schnell meine Erkältung auskurieren und die Woche an sich gut überstehen.

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