Noch ein Glas Wein? fragte er, die Flasche schon angesetzt. Im Hintergrund verschwand die orange, halbrunde Abendsonne im ruhigen Meer. Ein paar Möwen flogen tief über die leichten Wellen und fingen ihr Abendbrot. Vom Meer her wehte eine warme Briese und bewegte ihre braunen, vollen Haare sanft im Rhythmus der Wellen hin und her, die sich bedächtig über den Sand schlängelten. Aus der kleinen Villa, eigentlich war es nur ein einfaches Holzhaus, mit einem Schlafzimmer, einer einfachen Küche und dem gemütlichen Wohnzimmer auf dessen Balkon sie gerade standen, hörte man ruhigen Jazz, nicht zu alt und nicht zu modern und fast schon zu leise um ihn von den Geräuschen der Umgebung abzugrenzen. Weitere Worte waren eigentlich nicht nötig und wenn sie doch kamen, dann ohne Zwang, ohne Stress. Dass wir endlich hier sind, du und ich. Ich und du. Wie ruhig es hier ist. Hast du das Bett gesehen? Es ist wunderschön.
Die halbe Flasche war schnell leer und man beschloss sich auf die Hängematte zu setzen. Der Wein zeigte Wirkung, so dass sie laut lachend schaukelten. Ihre Blicke nur selten von einander ablassend. Was machen wir morgen? Denke nicht daran. Morgen ist egal. Die Sonne war inzwischen ganz verschwunden. Trotzdem lag noch ein Hauch von Licht über dem Meer, während Richtung Festland schon die unzähligen Sterne funkelten. Morgen liegt noch ganz weit weg. Weißt du, wie es ist? Wie es wäre, wenn du, wenn wir nicht hier wären? Darüber mochte sie gar nicht nachdenken. Alles, aber wirklich alles lag jetzt hinter ihnen. Nichts lag vorne. Er strich ihr sanft über die Haare und ihr Gesicht.
Eine zweite Flasche Wein neigte sich dem Ende zu. Zu Acoustic Alchemy tanzten sie über die knarzenden Holzbretter. Ihr Kopf lehnte sich an seine Schulter so dass ihre Augen auf das Meer blickten. Verträumt und doch real. Seine Arme hielt er fest verschlossen hinter ihrem Rücken. Ihr rotes Abendkleid wankte im Wind. Einzig der Mond und die Kerzen auf dem Holztisch sorgten jetzt noch für eine schwache, aber warme Beleuchtung. Kennst du das? Ja! und wenn einem einmal soetwas passiert ist, dann denkt man zweimal darüber nach, es nochmal zu versuchen. Möchtest du noch ein Glas Wein? Geh nicht! Nein, ich gehe! Bleib doch!
Vom Balkon führte eine kleine Holztreppe zum Strand. Keine Zehn Stufen tiefer.
Der Sand kribbelte an ihren Füßen und das frische Meerwasser umspülte sie knöchelhoch. Es ist herrlich! Die dritte Flasche Wein wurde nicht mehr eingegossen. Wofür brauchen wir schon Gläser? Um sie herum nichts als Sand, Meer und der Himmel. Beim Spaziergang blieb die Zeit stehen, als wären sie eine Ewigkeit gelaufen. Ihr rotes Kleid war egal - der Sand in ihren Haaren war egal, als sie sich auf den Boden warfen oder fielen. In diesem Moment gab es nur sie beide. Sonst nichts.
Die Sonnenstrahlen kitzelten ihr auf der Nase, während sie sich durch die Fensterbretter zwängten. Der Tag war egal.
Montag, Dezember 22, 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
Wunderschön.
Kommentar veröffentlichen