Sonntag, August 30, 2009

Highfield-Downfield 2009

Zwar hatte ich mich beim Hurricane dieses Jahr schon schwer getan, zeitnah über das Wochenende zu schreiben, aber selten fiel mir auch die Einschätzung eines solchen so schwer wie beim wohl letzten Highfield. Dieses Jahr gab es Höhen und Tiefen, wunderschöne Auftritte und relative Enttäuschungen so wie herrliches Wetter und totaler Mist.

Aber am besten ich fange einfach da an, wo auch schon letztes Jahr das Highfield begann, nämlich donnerstag Vormittag. Nach einigen Querelen über die Art und Weise, wie wir, d.h. Hannes und ich, hin kommen, durfte ich schließlich mit unserem Auto fahren, musste aber meinen Dad mitnehmen, damit das Auto wieder nach Hause kommt. Punkt Elf stand ich vor Hannes' Haus, lud seine sieben Sachen ins Auto und fuhr dann im Korso mit Tobi Richtung Hohenfelden. Dort angekommen, der Zeltplatz war für Tag und Uhrzeit schon gut gefüllt, bekamen wir zügig unser Bändchen und schlossen uns dann Georg, Bab und Co. an. Wie immer wurden Zelte und Pavillons aufgebaut, Leute vom Eingang zum Zeltplatz gelotst und Abends gut gesoffen.

Abends gut gesoffen? Das ist gar kein Ausdruck. Ich war so verdammt betrunken, dass ich im Grunde nur rumgesteuert bin, bis ich wohl ca. um Drei ins Zelt gefallen bin. Dementsprechend ging es mir am Freitagmorgen auch nicht so gut, als mich Lauri anrief um bescheid zu sagen, dass sie in ca. einer Stunde in Hohenfelden aufschlägt. Ein Tee zum Morgen erweckte neue Geister, trotzdem fühlte ich mich zu diesem Zeitpunkt, sicherlich auch wegen der ganzen Schlepperei am Vortag, nicht mehr so fitt, wie ich es gerne gehabt hätte. Wie dem auch sei, um 15.00 Uhr spielten Auletta und bis dahin ging es mir auch wieder gut genug, vielleicht hatte ich auch einfach wieder genug getrunken, um sie trotz des eher enttäuschenden Auftritts ganz gut zu finden und rumzutanzen. Ich würde einfach mal behaupten, dass die Jungs einfach etwas gebechert hatten, aber vielleicht lag der zu leise Gesang auch einfach an der schlechten Abmischung. Danach ging's wieder zurück zum Zeltplatz, Mittag essen, auch wenn ich das gerade nur vermute, und mir überhaupt nicht mehr sicher bin, um anschließend mit Flo, Fabian, usw. usf. wieder zurück zu den Wombats zu gehen. Die Jungs waren wieder gut, ich persönlich könnte ihnen Stunden zu hören, aber kurz vor dem Ende machten sich Flo und ich auf den Weg zu Katzenjammer. Die Mädels spielten nämlich im gut gefüllten aber unglaublich warmen Zelt, machten aber ebenso richtig viel Spass. Anschließend traf ich mich wieder mit Tobi, Laura und Hannes und wir warteten auf Clueso. Trotz Heimspiel war der Auftritt nicht so gut, wie zum Hurricane, dabei aber viel emotionaler und näher, wie das auch zu erwarten war. Bei einigen Liedern musste ich mich wirklich ernsthaft zusammenreißen, nicht einfach los zu heulen. Das war schon hart. Danach spielten Maximo Park, eine der beiden Bands, auf die ich mich seit gut einem Jahr freue und von denen ich viel erwartet hatte. Leider war das Publikum nicht ganz so freundlich, wie ich das erwartet hätte und so war ich die ersten zehn Minuten damit beschäftigt, mich auf den Füßen zu halten. Ich kann einfach nicht verstehen, wie man immer und immer wieder aufs Neue versuchen muss, eine Wall of Death zu starten, wenn weder das Lied, noch die Band dazu passen geschweige denn irgendwelche Möglichkeiten bieten, zeitgleich los zu laufen; anders machen WoDs nämlich keinen Sinn. Wie dem auch sei, irgendwann war die Crowd müde und ich ziemlich weit vorne, so dass ich noch ein paar schöne Fotos und Paul und Co. beim Musik machen zugucken konnte. Die Setlist war sehr ausgeglichen, der Sound ok, nur hatte ich immer das Gefühl, dass sie ihren Bassisten verstecken wollten, weil er nicht der Schönste ist. Danach schaffte ich es, mich wieder mit Laura und Hannes zu treffen um die Artic Monkeys anzugucken. Ich hatte an einen Liveauftritt von ihnen keine all zu hohen Erwartungen und wurde dementsprechend auch nicht enttäuscht. Im Gegenteil, musikalisch sind die Jungs sowieso großartig und ich bin auch kein Freund von riesigen audiovisuellen Auftritten, bei denen am Ende die Musik schon fast in den Hintergrund rückt. Die Monkeys spielten also viele neue Lieder, ein paar alte Kracher, aber leider nicht "Perhaps Vampires Is A Bit Strong" und "Dancing Shoes" dafür aber "Fluorescent Adolescent" und "Only Ones Who Know." Halbwegs zufrieden, aber ziemlich kaputt ging es wieder zum Zeltplatz, wo ich wiedermal, entgegen meiner Gewohnheit ziemlich viel trank. Zumal wir uns noch erst zu Fabi und anschließend zu unseren Zeltnachbarn begaben um die gefühlte letzte Party auf dem Zeltplatz zu feiern bevor es irgendwann, wie das ganze Wochenende über, allein ins Zelt ging.

Der Samstagmorgen war ähnlich grauenvoll, wie am Vortag konnte ich aber mit ein wenig Hilfe von Patti, einem Freund von Tobi, aufgeheitert werden. Wir hatten aufgrund von mangelnden Bands den ganzen Vormittag frei, spielten etwas Flunkyball und ließen uns hauptsächlich die Sonne auf die Haut scheinen, oder versuchten Abkühlung zu bekommen, vorzugsweise im kleinen Getränkepool, der sich schon am ersten Tag als ungeheuer praktisch rausstellte. Zwar drängte ich inständig darauf, rechtzeitig los zu laufen, um nichts bei Tomte zu verpassen und vorallem den Flashmob zu erleben, leider schafften wir es aber trotzdem gerade auf das Festivalgelände, als Thees "Schönheit der Chance" anspielte. Und so tanzte ich über den Asphalt Richtung Bühne und genoss den Rest. Wir drehten uns sogar um, als es soweit war, aber wie erwartet, hatte das Lied keinen Refrain und in unmittelbarer Nähe machten auch nur wenige mit. Vorne soll es gerüchteweise besser ausgesehen haben, aber erkennen konnte ich nichts und bei youtube habe ich auch noch nicht wieder geguckt. Nach Tomte suchten wir uns ein ruhiges Örtchen um meiner persönlichen Neuentdeckung zu lauschen. Ich hatte vorher schon kurz reingehört, aber selten zu vor, brachte mich eine Band, die ich nicht kannte, so zum Tanzen, wie Vampire Weekend. Bisher kam ich aber noch nicht dazu, nach einer CD zu gucken. Anschließend spielte FURT. Farin ist sicherlich der einzige Mensch, der in drei Liedern so viele Liebesthemen so treffend verarbeiten kann. "Worte fehlen", "Ok" und "Niemals" hinternander zu spielen, bewirkte bei mir eine unvergleichliche, emotionale Achterbahn. Danach rockten uns noch "The Offspring" mit einem "Best Off" Auftritt zu brei und anschließend durfte ich wieder trinken, zu viel trinken.

Überhaupt habe ich an diesem Wochenende viel zu viel getrunken, geraucht und überhaupt, und trotzdem, wirklich zufrieden war ich nie. Aber es fehlt ja noch der Sonntag. Der begann für uns mit Turbostaat, die mir richtig gut gefielen und bei denen es schon überfällig ist, dass ich mir ein Album kaufe. Zu Selig gab es dann die beste Nachricht vom Wochenende, nämlich der 3:0 Derbysieg von Erfurt gegen Jena. Zumal am Vortag schon Leverkusen 5:0 gewann und damit die Tabellenspitze eroberte. Dank Fußball halbwegs glücklich ging es dann wieder zurück zum Zeltplatz um sich für Rise Against und die Hosen am späten Abend zu schonen und unsere Zelte abzubauen und die Sachen zu packen. Schließlich sollte uns mein Dad später noch abholen. Aus sicherer Entferung hörten wir uns die Deftones an, was auch gut war, denn selten zu vor habe ich eine so schlechte Band gehört. Dagegen rockten Rise Against richtig ab und machten aus der Crowd vor'm FOH zwei riesige Kreisel. Zum Schluss gab es dann die Hosen, zu denen man auch nicht so viel schreiben muss. Ich selber bin ja bisher kein wirklicher Hosenfan, aber was Campino an diesem Abend auf der Bühne zusammengebrüllt hat, mit welcher Energie und Leidenschaft sie jedes einzelne Lied spielen, und natürlich, dass Campino mit den RWE Fans den Derbysieg feierte und mit "Steh Auf" den Jenafans Hoffnung gab, hat mich tief beeindruckt. Anschließend nahmen wir unsere Sachen, trafen meinen Dad und fuhren geschafft nach Hause.

Was bleibt nun vom letzten Highfield am Stausee? Ehrlich gesagt ein riesen Haufen Ernüchterung. Es war mein sechstes Highfield und ich habe es nicht ein einziges Mal geschafft, eine Freundin bei meinem Lieblingsfestival dabei zu haben, geschweige denn jemanden kennen zu lernen. Dabei wünsche ich mir seit sieben Jahren nichts mehr, als das. Außerdem hat das Festival viel von seinem familiären Charme verloren aufgrund der vielen Massen, die die letzten Jahre dazu gekommen sind. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich am Ende Ketchup flecken auf dem Zelt hatte und die Dixies sonntag Abend abgebaut werden mussten, um Brände zu verhindern. Zwar waren die Securities, bis auf die beiden Deppen, die die Wasserpfeife von einem Kumpel mitgenommen hatten, sehr nett und versorgten auf dem Gelände alle mit genügend Wasser, auch gefiel es mir, dass dieses Jahr mehr Dixies auf dem Gelände standen und ein zweiter Platz mit sanitären Anlagen eingerichtet wurde, aber das kann nicht kaschieren, dass ich nicht einmal über die Stände auf dem Gelände gelaufen bin, keine "erste Band des Tages" gesehen oder nach Autogrammen gesucht habe. Es mag blöd klingen, aber ein wenig bin ich gerade froh, dass dieses Festival einen Neuanfang nimmt. Kaum ein anderes Wochenende im Jahr hat mich die letzten Jahre mehr geprägt, mehr beeindruckt und mehr ernüchtert und gleichzeitig wieder aufgefangen. Nirgendwo sonst hatte ich das Gefühl, drei Wochen Urlaub an einem Wochenende aufzuholen. Nirgendwo sonst war ich mit so vielen verschiedenen Leuten, habe so viele Kuriositäten erlebt und kein anderes Ereignis hat meinen Musikgeschmack mehr geprägt, als dieses Festival und ja, es kotzt mich wirklich an, dass ich es nicht geschafft habe, dieses Erlebnis mit jemanden zu teilen, den ich liebe.

Nun bleibt abzuwarten, was das nächste Jahr bringt. Ich persönlich würde gerne wieder zum Hurricane fahren, aber eigtl. steht erstmal mein Studiengangwechsel an, zumal mir die Uni geschrieben hat, dass meine Rückmeldung nicht eingegangen sei. Dafür war aber meine Mum verantwortlich, und die hat das Geld ziemlich sicher überwiesen. Darum werde ich mich nun am 8.9. kümmern. Dafür haben mir meine Eltern einen neuen Fußball und einen "werkself" Schal (von Bayer 04 Leverkusen) aus dem Urlaub mitgebracht, worüber ich mich, neben dem 4:1 Sieg vom RWE gestern sehr gefreut habe. Und wenn ich schon einmal am Schreiben bin, dann kann ich auch gleich sagen, dass das neue Artic Monkeys Album klasse ist, aber ich im Moment aufgrund der Atmosphäre des Albums zur Zeit noch mehr von Silversun Pickups Swoon begeistert bin. Na ja, so weit so gut. Ich gehe jetzt mit meinen Eltern wählen und versuche den restlichen Sonntag zu genießen.

1 Kommentar:

Jessi hat gesagt…

Ich bin so unendlich neidisch, dass du Tomte live gesehen hast! ;)