Dienstag, Dezember 07, 2010

Good Shoes

Nun kenne ich die Band schon gut ein halbes Jahr. Als ich mich aufs Highfield vorbereitete suchte ich mir wie immer Bands aus dem unteren Teil des Line Ups aus, in der Hoffnung meine Erfahrung, dass sich dort echte Kracher befinden, würde sich bewahrheiten. Und was soll ich sagen, neben General Fiasko konnte ich nach kurzem Anhören der myspace Seite auch die Good Shoes in diese Kategorie legen. Vorallem Heartsink hatte es mir nach den ersten Tönen schon so angetan, dass ich kurz darauf die beiden bisher erschienenen Alben "Good Shoes" und "No Hope, No Future" kaufte.

Natürlich, und auch wenn ich die ersten 20min des Auftritts der Band auf dem Highfield verpasste, war auch dieser toll, trotz schlechter Akustik, relativ wenig Publikum und ich in totaler Ekstase.

Aber wieso schreibe ich das? Und wieso schreibe ich es erst jetzt? Ersteres beantworte ich gerne, zweiteres wird wohl ewig mein Geheimnis bleiben.

Jedenfalls trifft kaum eine andere Band, der ich zugeneigt bin, zur Zeit besser mein Denken und meine Auffassung von guter Musik. Musikalisch mögen sie keine Offenbarung sein, weder in Sachen Kreativität, musikalischer extravaganz oder großem Taram-Taram a la 'wir haben bei den Aufnahmen 20 Streicher ins Studio gestellt um der 10sek Passage in Lied X auch die richtige Untermalung zu geben.' Im Gegenteil, alle Riffs, alle Basslinien und Schlagzeugabschnitte, sowie die Stimme klingen so, als könnten sie aus der eigenen Garage stammen. Dabei schaffen es die Good Shoes ihre Texte durch Musik zu untermalen, die fast nie melancholisch, traurig oder gar depressiv klingt. Sie treibt einen eher nach Vorne, zwingt einen regelrecht zum "drauf Tanzen." Warum das so besonders ist, erfährt mein bei einem näheren Blick auf die Texte: Sie treffen den, ja vielleicht sogar meinen Zeitgeist eines oberen Mittelschichten Jugendlichen. Von Ice Age ("I'm the one who makes mistakes, I'm the one who can't say sorry, I get bored far too easily and I watch TV cause I'm lazy [...] I give up far to easily and this just keeps on happening [...]") bis hin zu All in my Head ( "And it's all in my head all my hopes and my fears. And I lay it all out all for you all to see. And its all, all in my head" ) oder Do you Remember ( "This journey brings back memories. [...] The times were better when we expect nothing.") findet sich in fast allen Texten eine Stimme wieder die anklagt, die verzweifelt und die trotzdem weiß, dass sie es nicht ändern kann. Sie kritisieren die Gesellschaft auf allen Ebenen, sei es Religion ("To be raised up with relegion is like to be brainwashed from the start.") oder das Großstadtleben, bei dem selbst die größten Gräueltaten an einem vorbei gehen, ohne dass die meisten Menschen darauf achten, was um einen herum passiert ( "I read the news today. A youth killed himself in a horrible way. He hung himself. From the local supermarket car park. Walking down Canon Hill Lane, I saw the flowers lay where a car crash took place [...]). Das alles verpacken sie im Gegensatz zu den Wombats in ernsten, nie zweideutigen Worten - ohne dabei das Gefühl von Wut, wie es die Blood Red Shoes pflegen, rüberzubringen. Die Texte sind voll von Verzweiflung, Selbstzweifel, Unsicherheit, Unbehagen und Angst, und geben einem dadurch genau das Gegenteil: Die Gewissheit, dass es anderen auch so geht, dass es trotzdem weiter geht, und dass man es doch nicht ändern kann. Natürlich kommt auch der Herzschmerz nicht zu kurz und auch hier orentieren sich Good Shoes an ihrer Umgebung. Sie singen von schnellen Beziehung, ohne Tiefe, ohne echte Liebe ("and soft meets hard and she always wants more of what I've got to supply"), immer unter dem Stress der Zeit ("All I want's a little more time to feel your heartbeat next to mine[...]" oder "Nobody cares about each others feelings" ). Von Unsicherheiten, von Dingen, wie sie nur Jugendliche empfinden ("All my insecurities summed up when you walk into my room"). Sie treffen dabei fast immer den Kern der Sache, umschreiben nichts, flüchten sich nicht in Metaphern sondern sind direkt, sprechen das aus, was sie denken. Nicht immer wird das als angenehm empfunden, wenn gesungen wird "I think we're passed the point where we can hope for any kind of return" kommt man nicht drum herum, zu denken, dass hier aufgegeben wurde, die Gesellschaft zu ändern.

Aber genau das macht sie so großartig. Genau das sorgt dafür, dass ich sie zur Zeit rauf und runter hören könnte.

Bleibt zu sagen, dass die Jungs an sich auch super sind und mir mit vergnügen meinen Festivalplaner nach ihrem Auftritt und während des Einräumens ihres Tourbusses gaben. Auch gefragt haben, wo wir her seien und überhaupt. :D

It moves 1000 miles an hour - Sometimes I'm thinking it will never stop. (sic!)



1 Kommentar:

Jessi hat gesagt…

schade nur, dass sie fast ausschließlich in UK touren. Müssen wir doch bald mal auf die Insel :)